Artikel aus dem Stadtteilmagazin „Der
Tungendorfer“ Nr. 36 / Oktober 2009
“Sensibilisierung ist der erste Schritt zur Prävention von Gewalt.”
Das Projekt PIT (Prävention im Team) an der
Pestalozzischule

Begleitet man Carsten Schröder, Polizist bei der Tungendorfer Station
am Volkshaus, über den Schulhof der Pestalozzischule, wird schnell klar: Die
Schüler mögen und respektieren ihn. "Guten Morgen, Herr Polizist!",
sagen die Kleinen, die seinen Namen noch nicht kennen, freundlich. Aber auch die
Größeren, die "Coolen", grüßen und sprechen mit ihm - auf eine lässige
Art, aber höflich und vertrauensvoll. Carsten Schröder ist bekannt und
beliebt. Seit zwei Jahren ist er der Schulpate für die Kinder. Dienstags in der
großen Pause können sie zu ihm kommen, mit Fragen oder ganz konkreten
Problemen. Auch für die Lehrer ist Carsten Schröder dann ansprechbar. Zwei von
ihnen haben mit ihm das PIT-Team gegründet. Maja Snoyek, Katja Ahorn und
Carsten Schröder sind das PIT-Trio. PIT - Diese Abkürzung steht für "Prävention
im Team", ein Projekt, dessen Ziel die Prävention von Gewalt und Diebstahl
an Schulen ist.
"Gewalt in Schulen kommt in unterschiedlichen Formen vor", erklärt Lehrerin Maja Snoyek. "Neben der körperlichen gibt es die verbale Gewalt ebenso wie das systematische Mobbing von Mitschülern. Wir sensibilisieren die Kinder zunächst einmal dafür, wo Gewalt und Unrecht anfangen. Wenn ich meinem Nachbarn ein Radiergummi wegnehme, begehe ich dann schon Diebstahl? Den Kindern das eigene Verhalten und dessen Konsequenzen bewusst zu machen, ist ein wichtiger Schritt zur Prävention."
Diese Sensibilisierung geschieht auf verschiedenen Wegen. Zwei Unterrichtseinheiten à vier Stunden pro Halbjahr sind für die Schüler ab der 7. Klasse vorgesehen. Hier wird mit Rollenspielen gearbeitet, Situationen zur Konfliktlösung durchgespielt oder über aktuelle Themen diskutiert. So wurde den Schülern beispielsweise die Aufgabe gestellt, die Tageszeitung unter dem Aspekt "Wo, gegen wen und in welcher Form ereignet sich Gewalt?" durchzusehen, um das Gelesene anschließend zu besprechen. Auch das IQSH (Institut für Qualitätsentwicklung an Schulen Schleswig-Holstein) stellt als Träger des Projekts Unterrichtsmaterial zur Verfügung. "Gemeinsam mit den Schülern haben wir beispielsweise ein Interview mit einem Gewaltopfer angehört - eine Frau, die noch heute unter den Folgen leidet. Das hat sie sehr betroffen gemacht", erzählt Katja Ahorn.
Auch Carsten Schröder hat die Erfahrung gemacht, dass die Kinder viele offene Fragen zum Thema Unrecht haben. "Ganz typische Fragen sind beispielsweise: Darf ich meinen Roller schneller machen? Wenn nein, warum eigentlich nicht? Und wenn ich es dann doch mache, werde ich dann bestraft?" Der ?-Jährige freut sich über die Offenheit ihm gegenüber. "Ich habe einen guten Draht zu den Kindern und Jugendlichen. Das liegt wohl daran, dass ich regelmäßig präsent bin, viele Schulhofgespräche führe und den Kindern deutlich machen kann, dass ich ihnen Hilfe und Orientierung geben möchte." Maja Snoyek und Katja Ahorn sind froh, Carsten Schröder im Team zu haben. "Wenn er vor einer Klasse steht, sind die Kinder so konzentriert und aufmerksam, wie es sich ein Lehrer im Unterricht nur wünschen kann."
Für ihre anspruchsvolle Aufgabe wurden die drei PIT-Mitglieder vor Projektbeginn beim IQSH in Kiel geschult. Dennoch ließe sich nach Meinung der beiden Lehrerinnen viel mehr in Sachen Gewaltprävention tun. "Gewalt ist ein gesamtgesellschaftliches Problem, mit dessen Lösung die Lehrer alleine schlichtweg überfordert sind. Wir brauchen an den Schulen viel mehr Psychologen und Soziologen." Motiviert sind die beiden Vollzeitlehrerinnen dennoch. "Hier in der Schule haben wir die Möglichkeit, den Kindern bestimmte Werte mit auf den Weg zu geben. Hier können wir noch auf gefährdete Jugendliche einwirken und sie möglicherweise davor bewahren, etwas zu tun, was ihnen ihr Leben lang nachhängt." Auch Carsten Schröder nimmt seine Aufgabe sehr ernst. "Wenn wir mit unserem Projekt auch nur einem Kind auf einen guten Weg in die Zukunft helfen, dann hat sich unser Einsatz bereits gelohnt."
Das Projekt PIT - Prävention im Team
PIT unterstützt Schulen bei der Prävention von Gewalt, Diebstahl und Sucht. Im Rahmen der Arbeit des Rates für Kriminalitätsverhütung in Schleswig-Holstein wurde PIT in Zusammenarbeit mit Fachleuten aus verschiedenen Berufen entwickelt. Beteiligte Institutionen waren u. a. der schulpsychologische Dienst, das IQSH (Institut für Qualitätsentwicklung an Schulen Schleswig-Holstein), Arbeitsgruppen der Polizei, die Koordinationsstelle Schulische Suchtvorbeugung (KOSS) sowie verschiedene Schulen. Das Projekt wurde in einem Probelauf wissenschaftlich begleitet und evaluiert. Es wird in regelmäßigen Abständen bearbeitet.
Ziele des Projektes sind
• die Erhöhung der sozialen Kompetenz von Kindern und Jugendlichen, insbesondere die Fähigkeiten zu konstruktiver Problemlösung,
• die Sensibilisierung der Kinder und Jugendlichen für Gefahren und Konsequenzen gewalttätigen Handelns,
• die Motivation der Lehrkräfte, die Themen Gewalt, Diebstahl und Sucht fächerübergreifend zu behandeln,
• die Verbesserung des sozialen Klimas in den Klassen,
• eine Förderung der Zusammenarbeit mit den Eltern, um Fehlentwicklungen im Sucht- und Gewaltbereich zu erkennen.
Das Projekt hat bereits im Jahre 2004 den Deutschen Förderpreis für Kriminalprävention erhalten. Die meisten Bundesländer haben das Projekt mittlerweile übernommen.